Allgemeine Informationen für Erwachsene in Deutschland. Leistungen und Voraussetzungen hängen vom Vertrag und vom Einzelfall ab. Maßgeblich sind die jeweiligen Bedingungen und die geltenden gesetzlichen Regeln.
Wenn du in Deutschland von deinem Arbeitseinkommen lebst, hängt dein Bedarf an einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) vor allem davon ab, wie lange du einen Einkommensausfall tragen kannst. Eine private BU ist freiwillig. Sie zahlt die vereinbarte monatliche Rente, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nach den Vertragsbedingungen nicht mehr ausüben kannst.
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente richtet sich grundsätzlich danach, wie viele Stunden du noch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten kannst. Sie ersetzt deshalb nicht automatisch dein bisheriges Einkommen. Für die Höhe des BU-Schutzes zählen deine laufenden Ausgaben, verlässliche weitere Einkünfte und Rücklagen sowie die Bedingungen des konkreten Vertrags.
Was eine BU absichert
Nach § 172 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) bezieht sich Berufsunfähigkeit auf den zuletzt ausgeübten Beruf in seiner konkreten Ausgestaltung vor der gesundheitlichen Beeinträchtigung. Der Vertrag legt fest, unter welchen Voraussetzungen der Versicherer zahlt. Wenn der Versicherer den Leistungsfall anerkennt, zahlt er üblicherweise eine monatliche Rente. Außerdem musst du dann keine Beiträge für den BU-Vertrag mehr zahlen.
Laut BaFin reicht es bei vielen Verträgen, wenn du deine beruflichen Aufgaben zu mindestens 50 Prozent nicht mehr erfüllen kannst. Das ist jedoch keine gesetzlich festgelegte Grenze für jede Police. Auch der Zeitraum, für den die gesundheitliche Einschränkung voraussichtlich bestehen muss, richtet sich nach den Vertragsbedingungen. Lies deshalb im konkreten Vertrag nach, wie er Berufsunfähigkeit definiert und welche Nachweise er verlangt.
Ein weiterer Unterschied zwischen Verträgen betrifft die Verweisung auf einen anderen Beruf. Eine sogenannte abstrakte Verweisung kann es dem Versicherer ermöglichen, auf eine andere Tätigkeit zu verweisen, die zu deiner Ausbildung und deinen Fähigkeiten passt und deiner bisherigen Lebensstellung entspricht. Je nach Vertragswortlaut kann dabei entscheidend sein, ob du diese Tätigkeit tatsächlich ausübst oder ob du sie ausüben könntest. Prüfe die Klausel, statt dich auf die allgemeine Bezeichnung „BU-Versicherung“ zu verlassen.

Was die Erwerbsminderungsrente leistet
Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente schützt nach anderen Kriterien als eine private BU. Nach § 43 Sozialgesetzbuch VI (SGB VI) gilt grundsätzlich: Wer wegen Krankheit oder Behinderung weniger als sechs Stunden täglich unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes arbeiten kann, erfüllt die medizinische Voraussetzung für eine teilweise Erwerbsminderung. Für eine volle Erwerbsminderungsrente liegt die Grenze bei weniger als drei Stunden täglich. Daneben müssen weitere Voraussetzungen erfüllt sein.
Dazu zählen grundsätzlich eine Wartezeit von fünf Jahren und Pflichtbeiträge für mindestens drei Jahre innerhalb der letzten fünf Jahre vor Eintritt der Erwerbsminderung. Ausnahmen und besondere Regeln gelten für bestimmte Fälle. Für die meisten jüngeren Jahrgänge besteht außerdem kein allgemeiner gesetzlicher Schutz für den Verlust des bisherigen Berufs. Eine Sonderregel zur teilweisen Erwerbsminderungsrente bei Berufsunfähigkeit gilt für Versicherte, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind, sofern sie auch die übrigen Voraussetzungen erfüllen.
Die Deutsche Rentenversicherung weist für 2024 einen durchschnittlichen Zahlbetrag von rund 1.041 Euro monatlich im Rentenzugang aus. Der Wert beschreibt einen Durchschnitt und sagt nicht voraus, ob du selbst Anspruch hättest oder wie hoch deine Rente ausfiele. Sieh in deiner Renteninformation nach, welche Ansprüche dort ausgewiesen sind. Wenn du wissen möchtest, ob du Anspruch hast, klärst du das am besten direkt mit der Deutschen Rentenversicherung.
Berechne deine Einkommenslücke
Für eine erste Schätzung addiere deine notwendigen monatlichen Ausgaben. Dazu gehören zum Beispiel Miete oder Kreditraten, Haushaltskosten, Unterhalt und notwendige Beiträge zur Altersvorsorge. Ziehe davon nur Einkünfte ab, die dir im Leistungsfall verlässlich und dauerhaft zur Verfügung stünden. Dazu können eigene andere Einnahmen oder Einkommen eines Haushaltsmitglieds gehören. Eine gesetzliche Leistung solltest du nur einrechnen, wenn du deine Anspruchsvoraussetzungen geprüft hast.
Geh bei der Schätzung in vier Schritten vor:
- Notiere die notwendigen Ausgaben, die bei längerem Ausfall deines Arbeitseinkommens weiterlaufen.
- Erfasse verlässliche Einnahmen, die dir dann zur Verfügung stünden.
- Vergleiche die verbleibende monatliche Lücke mit Rücklagen, die du tatsächlich dafür einsetzen würdest.
- Überlege, welche BU-Rente die Lücke verkleinern soll und wie lange du den Schutz brauchst.
BaFin nennt als allgemeinen Richtwert, dass die monatliche BU-Rente in der Regel etwa 60 Prozent des Bruttoeinkommens nicht übersteigt. Die Verbraucherzentrale nennt 80 Prozent des Nettoeinkommens als grobe Orientierung. Die Werte beruhen auf unterschiedlichen Bezugsgrößen und sind keine individuellen Bedarfsformeln. Entscheidend für deinen Haushalt bleibt, welche Ausgaben und Einkünfte im Leistungsfall tatsächlich anfallen.
Du brauchst eher eine höhere BU-Rente, wenn dein Einkommen die laufenden Kosten deckt. Auch Angehörige, die davon abhängen, oder geringe Rücklagen sprechen dafür. Das gilt auch für Selbstständige und Freiberufler, wenn kein Arbeitgeber den Einkommensausfall auffängt. Wenn du verlässliche andere Einkünfte, ausreichend verfügbare Rücklagen oder bereits bestehende Absicherungen hast, brauchst du möglicherweise weniger zusätzlichen BU-Schutz. Rechne Rücklagen aber nicht automatisch vollständig an: Ein langer Ausfall kann sie aufzehren und zugleich andere wichtige Ziele gefährden.
Prüfe die Bedingungen im Vertrag
Die BaFin weist darauf hin, dass Versicherer ihre Verträge und Leistungsregeln unterschiedlich festlegen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) stellt unverbindliche Musterbedingungen bereit. Die Fassung vom 21. Juli 2025 ist ein Vergleichsbeispiel, aber kein Vertrag, der für alle Anbieter gilt. Sie lässt unter anderem den Berufsunfähigkeitsgrad und bestimmte Zeiträume als unternehmensindividuelle Angaben offen.
Schau im Angebot und in den Versicherungsbedingungen besonders darauf, wie der Vertrag deinen zuletzt ausgeübten Beruf beschreibt. Prüfe außerdem, wie stark deine Gesundheit deine Arbeit einschränken muss, damit der Vertrag zahlt. Kläre auch, ob er eine Verweisung auf andere Tätigkeiten zulässt. Prüfe auch, bis zu welchem Alter die Rentenzahlung vereinbart ist und ob die vereinbarte Rente zu deiner berechneten Einkommenslücke passt. Im GDV-Muster sind Beiträge bis zur Entscheidung über die Leistungspflicht zunächst weiter zu zahlen; bei Anerkennung der Leistung sollen sie zurückerstattet werden. Auch solche Einzelheiten können für deine finanzielle Planung relevant sein.
Beantworte Gesundheitsfragen im Antrag vollständig und sorgfältig. Nach § 19 VVG musst du bekannte gefahrerhebliche Umstände angeben, nach denen der Versicherer in Textform gefragt hat. Die gesetzlichen Folgen einer unvollständigen oder falschen Antwort hängen von den konkreten Umständen ab. Gehe deshalb nicht davon aus, dass eine Diagnose automatisch jede Leistung ausschließt oder dass eine nicht abgefragte Information immer angegeben werden muss. Kläre im Zweifel, worauf sich eine Frage bezieht, und dokumentiere deine Antworten.

Wenn eine BU nicht passt
Wenn du keinen BU-Vertrag bekommst oder die Bedingungen für dich nicht tragbar sind, vergleiche Alternativen nach ihrem tatsächlichen Leistungsumfang. Eine Grundfähigkeitsversicherung zahlt bei Verlust bestimmter, im Vertrag festgelegter Fähigkeiten. Sie deckt damit andere Risiken ab als eine BU; psychische Erkrankungen sind je nach Tarif gar nicht oder nur eingeschränkt versichert.
Eine Dread-Disease-Versicherung knüpft an bestimmte vertraglich genannte Krankheiten an. Sie zahlt nicht allgemein dann, wenn du deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst. Auch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung hat eigene Voraussetzungen. Solche Produkte können für einzelne Situationen infrage kommen, ersetzen aber nicht automatisch den Schutz einer BU. Vergleiche daher, welche Ereignisse Leistungen auslösen und ob diese zu deinem persönlichen Risiko passen.
Was solltest du zur BU klären?
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